Kulturförderkreis Singen-Hegau e.V.
 

Laudationes 2026


Musical "Popolius" der Musical AG des Hegau-Gymmasiums, Ltg Matthias Wodsak

Laudatio von Simon Götz

Liebe Gäste,
Was für ein Auftakt! Wohl kaum ein Projekt könnte den Hegau und wohl auch das Hegau besser als „Kulturregion“ präsentieren wie das Musical Popolius! Auf einmalige Weise verbanden sich bei insgesamt sechs Aufführungen der Musical-AG des Hegau-Gymnasiums unter Leitung von Katja Rothfelder und Matthias Wodsak Musik, Schauspiel, Tanz und Regionalkultur. Einige Ausschnitte dürfen wir heute Abend nochmal nacherleben!
Doch wie kam es zu dieser „Uraufführung“? Am Beginn stand der von Musiklehrer Matthias Wodsak lange gehegte Wunsch ein eigenes Musical zu verfassen. Doch welche Geschichte sollte man erzählen? Wie die Kinder und das Publikum gleichsam mit einer spannenden Erzählung fesseln? Manchmal braucht es einfach eine Eingebung – vielleicht auch einen nächtlichen Poppele-Streich. Vor rund zwei Jahren jedenfalls kam Matthias Wodsak im Traum die Idee, die Poppele-Sage zu nutzen. Just am Morgen nach seinem Traum begegnete ihm auf dem Weg zur Schule an der mit einem Poppele gezierten Ampel bei der Friedenslinde Stephan Glunk. Das konnte kein Zufall sein. Der Musiklehrer Wodsak erzählte dem Deutschlehrer Glunk von seinem Traum und äußerte den Wunsch, Stephan solle Texte für ein Musical verfassen.
Und so entstanden in knapp einem halben Jahr zahlreiche Texte und von Matthias Wodsak komponierte Stücke. Wesentlichen Anteil an der Kreation hatte Wodsaks Frau Luisa Köhler, die eine kindgerechte Rahmenerzählung, Sprech- und Liedtexte, ergänzend zu den von Stephan Glunk gedichteten Zeilen, verfasste. Vor rund einem Jahr begannen dann das „Casting“ und die Proben unter Regie von Katja Rothfelder und Matthias Wodsak mit über 40 Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 und 6. Es wurde musiziert, arrangiert, gesungen, getanzt, Kostüme genäht und für die aufwändige und wirkungsvolle Bühnengestaltung an vielen Wochenenden gewerkelt. Unter Leitung von Clemes Nietschke wurde Bühnentechnik aufgebaut; Eltern und Großeltern bastelten und nähten, um das Poppele-Musical auch optisch zu einem ganz besonderen Erlebnis werden zu lassen.
Der Aufwand hat sich gelohnt: Über 2.000 Besucherinnen und Besuchern bejubelten bei sechs restlos ausverkauften Vorstellungen in der Aula im März dieses Jahres das „Popolius-Musical“. Die Handlung führte das Publikum ausgehend von einem Schulausflug auf den Hohenkrähen und von dort über einen Traum hinein in das Mittelalter: Lebhaft wurde gezeigt wie der habgierige Poppele seinen Zechkumpanen, einen Mönch, nach einem Trinkgelage in einen monumentalen Kerker sperrt. Der Mönch verflucht ihn daraufhin. In einer dramatischen Szene stürzt der Poppele wenig später vom Turm, bricht sich das Genick und muss fortan als Geist umgehen. Natürlich durfte der Streich, den der Poppele-Geist daraufhin dem Eierwiib spielte, auch im Musical nicht fehlen. Ein unterhaltsames Stück, das Jung und Alt begeisterte und durch den gelungenen Wechsel von Sprechpartien, Solopassagen und Chorstücken das Publikum für eine knappe Stunde in den Bann des Poppele zog!
Der Kulturförderkreis zeichnet in Anerkennung des Popolius-Musicals und zur Förderung weiterer Projekte die Musical AG des Hegau-Gymnasiums mit einem Kulturpreis aus! Herzlichen Glückwunsch!



Geschichts AG der Zeppelinrealschule Singen "Jenische in Singen"                                                                                              Betreuender Lehrer Dennis Beck


Laudatio von Regina Henke

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schülerinnen und Schüler der Geschichts-AG der Zeppelin-Realschule,
lieber Herr Beck,
„Wir sind immer in Geschichten. Geschichten in Geschichten in Geschichten. Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt.“
Dieses Zitat des Schriftstellers Daniel Kehlmann passt wunderbar zu dem, was wir heute auszeichnen.
Denn Geschichte besteht eben nicht nur aus Jahreszahlen, die man für die nächste Klassenarbeit auswendig lernt und danach vielleicht wieder vergisst. Geschichte besteht aus Geschichten. Aus den Geschichten von Menschen, von Familien, von Städten und Gemeinschaften.
Und Geschichte hilft uns zu verstehen, warum unsere Gegenwart so ist, wie sie ist.
Genau das macht die Geschichts-AG der Zeppelin-Realschule auf beeindruckende Weise sichtbar.
Begonnen hat sie mit acht engagierten Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 8 bis 10 – und mit einem Lehrer, Dennis Beck, der offenbar nicht gesagt hat: „Das steht aber nicht im Lehrplan.“ Sondern: Lasst uns schauen, was wir entdecken können.
Für den Geschichtswettbewerb der Körber-Stiftung beschäftigte sich die Gruppe mit den Auswirkungen der Luftangriffe auf das Wohnen in Singen.
Dafür ging es nicht einfach nur ins Internet. Es ging ins Stadtarchiv. Akten wurden studiert, Quellen ausgewertet, Spuren gesucht. Die Schülerinnen und Schüler machten sich sogar in ihrer Freizeit auf den Weg, um im Singener Stadtgebiet nach Überresten von Bunkern zu suchen.
Und sie sprachen mit Menschen. Willy Waibel konnte als Zeitzeuge davon erzählen, wie er diese Zeit in jungen Jahren selbst erlebt hatte.
Plötzlich wird aus „Geschichte“ eine Geschichte. Aus einem abstrakten historischen Ereignis wird etwas, das hier stattgefunden hat – an Orten, an denen wir heute vielleicht täglich vorbeigehen.
Diese Arbeit wurde von der Körber-Stiftung mit einem Förderpreis ausgezeichnet.
Doch die Geschichts-AG blieb nicht dabei stehen.
Sie beschäftigte sich mit den Stolpersteinen in Singen und schließlich mit einem Kapitel unserer Stadtgeschichte, dessen Aufarbeitung ich für besonders wertvoll halte: der Geschichte der Jenischen.
Mit der Recherche zu Kaspar und Alois Hartmann hat die AG wichtige Pionierarbeit geleistet. Ihre Biografien mündeten in der Verlegung von Stolpersteinen – und damit in einem sichtbaren Zeichen der Erinnerung mitten in unserer Stadt.
Im darauffolgenden Schuljahr gingen zehn Schülerinnen und Schüler noch einen Schritt weiter. Sie recherchierten in Archiven, werteten Quellen und alte Zeitungen aus, führten Interviews und produzierten schließlich einen 25-minütigen Film über die Jenischen in Singen.
Und wenn Schülerinnen und Schüler sogar ein ganzes Wochenende bei einer Schulhausübernachtung damit verbringen, diesen Film fertigzustellen, dann merkt man:
Hier lernen junge Menschen nicht, weil sie müssen.
Sie lernen, weil sie wissen wollen.
Der Film wurde mit einem Landespreis beim Geschichtswettbewerb ausgezeichnet und die Arbeit fand Eingang in das Jahrbuch der Stadt Singen. Am 27. Januar 2026 durfte die Geschichts-AG zudem bei der Gedenkveranstaltung des Landes Baden-Württemberg für die Opfer des Holocaust in Herbolzheim über die Verfolgung der Jenischen sprechen.
Das ist eine bemerkenswerte Entwicklung: von acht Schülerinnen und Schülern in einer AG hin zu jungen Menschen, die selbst zu Vermittlerinnen und Vermittlern unserer Geschichte werden.
Und deshalb möchte ich heute ausdrücklich auch Dennis Beck würdigen.
Wir reden sehr viel über Schule. Über Bildungsstudien und PISA-Ergebnisse. Über Defizite und darüber, was Schülerinnen und Schüler angeblich alles nicht mehr können.
Dabei vergessen wir manchmal etwas Entscheidendes:
Begeisterung lässt sich nicht in einer Statistik messen.
Eine Schule kann ein Ort sein, an dem junge Menschen entdecken, was in ihnen steckt. Dafür braucht es engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die Neugier wecken, Freiräume schaffen und jungen Menschen zutrauen, Verantwortung zu übernehmen.
Und solche Lehrerinnen und Lehrer brauchen Unterstützung: von ihrer Schulleitung, von der Stadt, vom Land und von Menschen und Institutionen, die bereit sind, Türen zu öffnen.
Denn gute Bildung ist Gemeinschaftsarbeit.
Wie wichtig das ist, zeigt sich gerade heute. Informationen werden in Sekunden verbreitet, Bilder manipuliert und Behauptungen tausendfach geteilt, bevor jemand gefragt hat: Stimmt das überhaupt?
Wer gelernt hat, im Archiv eine Quelle zu prüfen, Aussagen miteinander zu vergleichen und nach ihrem Zusammenhang zu fragen, lernt deshalb weit mehr als Geschichte.
Er lernt, kritisch zu denken.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Fähigkeiten, die Schule jungen Menschen heute mitgeben kann.
Besonders schön ist, dass die Geschichte dieser AG längst nicht zu Ende ist. Schülerinnen und Schüler absolvieren Praktika im Stadtarchiv, werden zu Workshops eingeladen, geben ihr Wissen weiter – und bereits jetzt laufen die Vorbereitungen für den nächsten Geschichtswettbewerb.
Aus acht Schülerinnen und Schülern ist etwas entstanden, das Kreise zieht.
Und damit sind wir wieder bei Daniel Kehlmann:
„Geschichten in Geschichten in Geschichten.“
Die Geschichte der Jenischen ist ein Teil der Geschichte Singens. Die Geschichte Singens ist Teil unserer gemeinsamen Geschichte. Und die Schülerinnen und Schüler, die diese Geschichten heute erforschen, schreiben längst ihre eigene dazu.
Liebe Schülerinnen und Schüler: Bewahrt euch diese Neugier. Fragt weiter nach. Schaut hinter die Dinge. Und glaubt nicht alles, nur weil es irgendwo geschrieben steht.
Lieber Herr Beck: Danke für die Zeit, die Energie und die Begeisterung, die Sie in diese Arbeit investieren – und dafür, dass Sie jungen Menschen zeigen, dass Geschichte lebendig sein kann.
Ich gratuliere Ihnen und Euch allen von Herzen zum Kulturpreis.
Herzlichen Glückwunsch!



Theater aus dem Schatten, Theaterprojekt " Deine Welt. Meine Welt. Unsere Welt."                                                                  Leitung Dina Roos

Laudatio von Andrea Fink-Fauser


Ein Theaterstück, das unter die Haut geht: „Deine Welt-meine Welt- Unsere Welt“. Ein Stück, das berührt, das noch lange nachwirkt! Armutserfahrene Menschen bringen auf die Bühne, was sie beschäftigt, was ihnen wichtig ist. Mit Kreativität und Humor öffnen sie den Zuschauer*nnen die Augen, bringen neue Perspektiven ins Spiel. Der Weg von der ursprünglichen Idee bis zur Theateraufführung war spannend: Am Anfang stand der Erfolg des Projekts „Redezeit“, initiiert von der Tafel.  Diese Erfahrungen sollten weiterwirken. Daraufhin gab es Gespräche zwischen Tafel, Färbe und Gems und man vereinbarte, ein Theaterstück auf die Bühne zu bringen, bei dem Menschen mit Armutserfahrungen im Mittelpunkt stehen. Die Inhalte und Szenen sollten dabei gemeinsam mit allen Beteiligten entwickelt werden. Schnell fanden sich im Umfeld der Tafel Menschen, die bereit waren, sich als Schauspieler*innen auf das Projekt einzulassen. Keiner von ihnen hatte zuvor je auf einer Bühne gestanden! Und dann begann die Arbeit von Dina Roos. Als erfahrene Theaterpädagogin schaffte sie es, mit den Schauspieler*innen ihre Themen zu benennen und dann nach und nach daraus Szenen zu entwickeln: Z.B.  „Terminvergabe in einer Arztpraxis“. Oder: „Beim Beratungsgespräch“.  Diese Art von Arbeit hatte zum einen den Charme, dass keine langen Texte auswendig gelernt werden mussten, zum anderen, dass authentische Lebenserfahrungen direkt in Szene gesetzt wurden. Alle konnten sich selbst spielen, im Theaterkontext bekamen die Erfahrungen noch einmal eine andere Dichte und Intensität. Faszinierend dabei, dass Humor und Leichtigkeit immer mit von der Partie waren. Nie war die Botschaft moralisch. Bald wurde die Theatergruppe zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, die sich mit großer Begeisterung in das Projekt einbrachte. Für alle Beteiligten war wertvoll, dass sich Menschen mit unterschiedlichem sozialem Hintergrund auf Augenhöhe begegneten und miteinander etwas auf die Beine stellten.  Der Erfolg war riesig. Auch die zweite, spontan angesetzte Aufführung war bis auf den letzten Platz besetzt. Ein großer Dank gilt allen, die ihre künstlerischen, theaterpädagogischen und sozialen Fähigkeiten in das Projekt eingebracht haben: Dina Roos, Cornelia Hentschel, Martina Kaiser, Melanie Patzke, Udo Engelhardt – und ganz besonders allen Schauspielerinnen und Schauspielern! Bei diesem Stück wird eindrücklich sichtbar, was Kultur leisten kann!  Das Publikum freut sich bereits auf die neuen Aufführungen zum Thema „Einsam, zweisam, gemeinsam“ Ende Oktober!

Lichtbildnergruppe Singen e.V.


Laudatio von Catharina Scheufele

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder des Kulturförderkreises, liebe Gäste, und vor allem: liebe Mitglieder der Lichtbildnergruppe Singen, 

heute richten wir den Blick auf Menschen, die selbst besonders gut darin sind, den Blick zu richten.

Menschen, die genauer hinschauen. Die einen Augenblick festhalten, bevor er vergeht. Die Licht, Schatten, Perspektiven und manchmal auch ganz alltägliche Situationen so einfangen, dass wir plötzlich etwas sehen, an dem wir sonst vielleicht einfach vorbeigegangen wären.
Die Rede ist natürlich von der Lichtbildnergruppe Singen e.V., die heute mit dem Kulturpreis ausgezeichnet wird.
Und das geschieht in einem ganz besonderen Jahr: 2026 feiert die Lichtbildnergruppe ihr 60-jähriges Jubiläum.
60 Jahre – das bedeutet sechs Jahrzehnte fotografische Leidenschaft, Austausch, Kreativität und ehrenamtliches Engagement. Sechs Jahrzehnte, in denen sich die Fotografie selbst enorm verändert hat: von Filmrollen und Dunkelkammern bis hin zu digitaler Fotografie und modernster Bildbearbeitung.
Was aber geblieben ist, ist das Entscheidende: der Blick für den besonderen Moment.
Denn Fotografie ist ja zunächst einmal ganz einfach: Man nimmt eine Kamera, sucht ein Motiv und drückt auf den Auslöser.
Zumindest könnte man das meinen.
Wer schon einmal versucht hat, ein wirklich gutes Foto zu machen, weiß: Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn zwischen einem schnellen Schnappschuss und einem Bild, das uns berührt, überrascht oder zum Nachdenken bringt, liegt eine ganze Welt.
Es braucht ein Gespür für den richtigen Moment. Für die richtige Perspektive. Für Licht und Stimmung. Und vor allem braucht es Neugier – auf Menschen, auf Landschaften, auf unsere Stadt und auf das Leben um uns herum.
Genau diese Neugier zeichnet die Lichtbildnergruppe Singen seit nunmehr 60 Jahren aus.
Seit vielen Jahren bringt sie Menschen zusammen, die ihre Begeisterung für Fotografie miteinander teilen, voneinander lernen, miteinander diskutieren und ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Dabei entstehen nicht nur beeindruckende Bilder. Es entsteht auch etwas, das für das kulturelle Leben einer Stadt mindestens genauso wichtig ist: Gemeinschaft.
Dieses Jubiläum ist jedoch nicht nur ein Anlass, auf das gemeinsam Erreichte zurückzublicken. Es zeigt zugleich, wie lebendig, kreativ und vielfältig die Lichtbildnergruppe bis heute ist. Einen besonderen Ausdruck findet dies im November 2026: Dann lädt die Gruppe zu ihrer Jubiläumsausstellung unter dem Titel „Die Stadt Singen in ihrer ganzen Vielfalt“ ein. Die Vernissage findet am 25. November um 19 Uhr hier im Bürgersaal statt.
Sie wird Gelegenheit geben, die Vielfalt der fotografischen Arbeiten zu erleben und sicher auch einen Bogen zu schlagen zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen dem, was die Gruppe über Jahrzehnte geprägt hat, und dem, was sie heute ausmacht.
Darauf dürfen wir uns schon jetzt freuen.
Kultur lebt nicht allein von großen Bühnen, Konzertsälen oder Museen. Kultur entsteht überall dort, wo Menschen mit Leidenschaft etwas gestalten, ihre Ideen miteinander teilen und andere daran teilhaben lassen.
Die Lichtbildnergruppe tut genau das.
Mit ihren Fotografien dokumentiert sie unsere Zeit – manchmal spektakulär, manchmal leise. Sie zeigt Bekanntes aus ungewohnten Blickwinkeln. Sie entdeckt Schönheit dort, wo wir sie vielleicht gar nicht vermutet hätten. Und sie bewahrt Augenblicke, die sonst längst verschwunden wären.
Dabei ist Fotografie längst mehr als Dokumentation.
Ein gutes Bild kann eine Geschichte erzählen, ohne einen einzigen Satz zu brauchen. Es kann uns zum Lächeln bringen, irritieren, Erinnerungen wecken oder Fragen stellen. Und manchmal schafft ein Foto etwas, das langen Erklärungen nicht gelingt: Es lässt uns für einen Moment einfach nur hinschauen.
Gerade in einer Zeit, in der jeden Tag unzählige Bilder an uns vorbeiziehen, ist diese bewusste Form des Sehens besonders wertvoll.
Die Arbeit der Lichtbildnergruppe steht dabei auch für etwas, das wir mit dem Kulturpreis würdigen möchten: für langfristiges ehrenamtliches Engagement für die Kultur in unserer Stadt.
Denn hinter Ausstellungen, Projekten und Veranstaltungen stecken unzählige Stunden Arbeit. Da werden Motive gesucht und ausgewählt, Bilder diskutiert und vorbereitet, Ausstellungen geplant, Räume organisiert und Veranstaltungen begleitet.
Vieles davon geschieht im Hintergrund.
Und wie so oft im Ehrenamt gilt: Wenn am Ende alles selbstverständlich und mühelos aussieht, war vorher wahrscheinlich ziemlich viel Arbeit nötig.
Deshalb ist dieser Preis auch ein herzliches Dankeschön.
Ein Dankeschön an alle Mitglieder, die ihre Zeit, ihre Kreativität und ihre Begeisterung einbringen.
Ein Dankeschön dafür, dass Sie das kulturelle Leben in Singen seit inzwischen 60 Jahren mitgestalten.
Und ein Dankeschön dafür, dass Sie uns immer wieder daran erinnern, unsere Umgebung nicht nur anzusehen, sondern wirklich hinzusehen.
Liebe Mitglieder der Lichtbildnergruppe,
ein Fotograf weiß: Manchmal muss man lange auf den richtigen Moment warten.
Heute ist so ein Moment.
Und ausnahmsweise stehen Sie dabei nicht hinter der Kamera, sondern selbst im Mittelpunkt.
Genießen Sie diesen Augenblick.
Im Namen des Kulturförderkreises gratuliere ich Ihnen sehr herzlich zum Kulturpreis und ebenso herzlich zu 60 Jahren Lichtbildnergruppe Singen.
Ich wünsche Ihnen weiterhin gutes Licht, spannende Motive, überraschende Perspektiven – und natürlich immer genügend freien Speicherplatz auf der Speicherkarte.
Herzlichen Glückwunsch!
Zum Abschluss möchte ich Sie noch herzlich auf die Ausstellung im Foyer aufmerksam machen. Die Lichtbildnergruppe präsentiert Ihnen heute Abend exklusiv einen eindrucksvollen Querschnitt ihres fotografischen Schaffens. Lassen Sie die Bilder auf sich wirken, genießen Sie ihre besondere Atmosphäre und entdecken Sie die Geschichten, die in ihnen lebendig werden.


Liska, singer-songwriterin


Laudatio von Elisabeth Paul


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Fam. Napel, liebe Freunde und ehemalige Chorkinder
Liebe Liska,
Ich habe heute das Privileg als letzte Laudatorin dich vorstellen zu dürfen. Wir standen schon einmal gemeinsam anlässlich eines Kulturförderpreises auf der Bühne. Damals bekam unser Kinder - und Jugendchor diesen Preis. Und irgendwo zwischen all den Kindern stand auch die kleine Liska Napel.
Heute bekommst du den Kulturpreis, was mich schon auch sehr berührt.
Denn wenn ich dich heute sehe- als junge Frau, als Songwriterin, als Musikerin, als Künstlerin, die inzwischen in Berlin lebt und früh gespürt und entschieden hat, ihren eigenen Weg zu gehen - dann sehe ich gleichzeitig immer noch dieses kleine Mädchen vor mir, die bereits mit eineinhalb Jahren im Kinderchor mitwirkte. Du warst damals schon gerne in der ersten Reihe und übtest dich in deiner Bühnenpräsenz.
Ich gebe zu, du hattest zu diesem Zeitpunkt keine Wahl.
Bereits vorgeburtlich kamst du mit Musik in Berührung. Deine Eltern, Jürgen und Claudia, bereicherten damals schon mit Gitarre, Akkordeon und Gesang die Familiengottesdienste, die Feiern und Feste im Kinderheim. „Um Himmels Willen“ ist ihr heutiges „Label“.
Mit 6 Jahren hattest du offenbar eine erste künstlerische Krise, und wolltest dich im Kinderchor abmelden. Gott sei Dank wurde es vergessen und du bist geblieben. Die Liebe zum Singen, die Liebe eigene Geschichten zu erzählen und Texte zu schreiben blieb ebenfalls.
Gefühlen Worte zu geben.
Liska macht es sich und ihren Zuhörern nicht immer leicht.
Ihre Lieder erzählen nicht von einer Welt, in der jeden Morgen die Sonne scheint und am Ende alles wunderbar und gut ist.
Sie erzählen von Selbstzweifeln. Von Verletzlichkeit. Vom eigen Körperbild. Von Angst. Von Wut.
Von Beziehungen. Von Einsamkeit. Von Nähe und Distanz.
Von Momenten, in denen man sich selbst nicht versteht. Von Abgründen, die zum Menschsein gehören, und die jeder von uns kennt.
Von Liebe, Vom Bewusstsein, wie kostbar und unerlässlich die sonnigen Tage sind.
Liska macht aus diesen schweren und tiefen Gefühlen nicht einfach traurige Musik.
Sie singt über das, was viele denken, aber selten aussprechen, und wird damit immer mehr zum Sprachrohr einer Generation, die zwischen Selbstoptimierung, Überforderung und dem Wunsch nach echtem Fühlen ihren Platz sucht.
Sie macht daraus etwas, indem andere Menschen sich wiederfinden können: Ihre Lieder sagen:
Du darfst traurig sein. Du darfst zweifeln. Du darfst Angst haben. Du musst nicht immer stark sein.
Und vor allem: „Es ist ok, dass du fühlst.“ Darin liegt etwas sehr Tröstliches. Kunst muss uns nicht erklären, wie man aus einem dunklen Raum nach draußen findet. Manchmal reicht es, wenn jemand darin ein kleines Licht anmacht und sagt:
„ Auch ich kenne diesen Raum, kenne dieses Gefühl“
Sie liefert keinen perfekten Ausweg, sondern etwas, was vielen Menschen in der heutigen Zeit fehlt: Verständnis für das Gegenüber. Für sich selbst, für all das, was nicht glatt läuft, wo es unbequem wird - und schafft es gerade dadurch, Halt zugeben….ehrlich, authentisch.
In einem ihrer Liedtexte heißt es:
„Komm in meine Arme, schließ deine Augen und atme,
Wir müssen beide nichts sagen, ich weiß genau was du fühlst.“
Und vielleicht ist das der Grund, weshalb du auf Instagramm mittlerweile fast 22000 Follower und mittlerweile über 5 Millionen Streams hast. Das ist für eine Künstlerin, deren erste EP vor 2 Jahren erschienen ist, schon ziemlich ok.
Es gehört viel Mut und Kraft dazu, diesen Weg zu gehen, denn es ist keine Arbeit, die man beim Nachhausekommen ablegt. Kreativität und künstlerisches Arbeiten bedeutet immer auch ein ständiges Suchen, Kämpfen und Hadern mit sich selbst. Belohnung gibt es erst, wenn du dann auf der Bühne stehst, und von den vielen jungen Followern bejubelt und gefeiert wirst. Am Ende stehst du immer mit einem Strauß voller Blumen auf der Bühne, innerlich erfüllt und voller Dank.
Ich für meinen Teil, hoffe, dass du um deine Wurzeln in dieser Stadt weisst und ich freue mich, dass du gegangen bist:
Nach Berlin, in deine eigene Musik, in dein eigenes Leben, mit deiner ganz eigenen Stimme und wünsche dir von Herzen, dass du das weiterhin tust:
Fühlen. Schreiben. Singen. Menschen berühren.
Liebe Liska,
Herzlichen Glückwunsch zum Kulturpreis aus deiner Heimatstadt Singen